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2026-09-08

Digitaler Produktpass für Textilien: was die JRC-Studie zu Bekleidungsdaten, Granularität und Zugang vorschlägt

Die JRC-Studie zu den DPP-Inhalten für textile Bekleidung, veröffentlicht am 13. Mai 2026, schlägt Kennungen auf Stückebene mit Daten auf Chargen- und Modellebene, drei Zugangsstufen und eine öffentliche Ebene auf Modellebene vor. Sie ist Vorarbeit, nicht der für 2027 geplante delegierte Rechtsakt.

Modemarken, die auf die ESPR-Regeln für Textilien warten, haben nun das bislang detaillierteste offizielle Signal dafür, was der Digitale Produktpass eines Kleidungsstücks enthalten wird. Am 13. Mai 2026 hat das Product Bureau der Gemeinsamen Forschungsstelle die Study on DPP content for textile apparel products under ESPR veröffentlicht, einen JRC Science for Policy Report von M. González-Torres und A. Arcipowska. Es handelt sich um eine externe Studie, die für die JRC erstellt wurde, und sie stellt fest, dass ihre Inhalte nicht zwangsläufig den Standpunkt oder die Auffassung der Kommission wiedergeben.

Sie ist nicht der delegierte Rechtsakt. Der Arbeitsplan nennt 2027 als indikatives Jahr für die Annahme bei Textilien. Die Studie fließt in den vierten und letzten Meilenstein der vorbereitenden JRC-Studie zu Textilerzeugnissen ein, der politische Szenarien und DPP-Elemente abdeckt und dessen Termin noch nicht bekannt gegeben wurde. Die Konsultation zum dritten Meilenstein endete am 30. März 2026.

Anwendungsbereich und Aufbau

Die Studie behandelt textile Bekleidung. Ihr vorgeschlagener Inhalt fällt in vier Kategorien: Produktidentifikation und -klassifizierung, Herstelleridentifikation, Produktinformationen (Material, mechanische und chemische Eigenschaften, Umweltfußabdruck, Rezyklat- und Bioanteil, Handbücher und Anleitungen) sowie Konformitätsunterlagen. Freiwillige Einträge wären nur zulässig, wenn sie regulierte Felder nicht duplizieren, und die Studie hält fest, dass sie keinen Bezug zur Nachhaltigkeit haben sollten, sofern sie nicht in der vorbereitenden Studie definiert und in den delegierten Rechtsakt aufgenommen wurden, um Greenwashing zu verhindern.

Bei der Identifikation stützt sie sich auf die bestehende GS1-Praxis, alles konform mit prEN 18219:

  • Eindeutige Produktkennung auf Stückebene, eine serialisierte GTIN oder gleichwertig. Die Umsetzungsreife wird als sehr gering bewertet, da Kennungen auf Stückebene nicht gängige Praxis sind.
  • Batch ID, eine GTIN plus Losnummer. Umsetzungsreife mittel.
  • Model ID, eine GTIN-13. Umsetzungsreife hoch.
  • Eine ESPR-Produktkategorie (gestrickt, gewebt, Denim) und eine PEFCR-Kategorie auf Grundlage der Product Environmental Footprint Category Rules für Bekleidung und Schuhe, dazu der sechsstellige HS-Warencode.

Granularität: Kennungen auf Stückebene, Angaben auf Modellebene

Die Studie legt Arbeitsdefinitionen zugrunde. Ein Modell ist eine Produktvariante, deren Einheiten dieselben technischen Merkmale, dasselbe Schnittmuster und dieselbe Konstruktion aufweisen, wobei Farbe und Größe nicht notwendigerweise unterschieden werden. Eine Charge ist eine Teilmenge eines Modells, die in einem bestimmten Werk zu einem bestimmten Zeitpunkt unter denselben Bedingungen produziert wurde. Ein Stück ist eine einzelne Einheit.

Ihre Empfehlung folgt dem von CIRPASS-2 vorgezeichneten Ansatz: Kennungen auf Stückebene vergeben, damit jede Einheit gescannt werden kann, den Pass zunächst aber mit Daten auf Chargen- oder Modellebene füllen und stückspezifische Daten nur bei Bedarf ergänzen. Faserzusammensetzung, Komponentenspezifikation und Recyclingfähigkeitswert werden auf Modellebene vorgeschlagen. Die Herstelleridentifikation wird auf Chargenebene vorgeschlagen, weil Produktionsstätte und Importeur innerhalb eines Modells abweichen können. Chemische Eigenschaften werden mindestens auf Chargenebene vorgeschlagen und decken einen ungünstigsten Fall über die Farben der Charge hinweg ab. Mechanische Prüfdaten könnten bei Selbsterklärung auf Chargenebene verlangt werden, wobei die Modellebene in Betracht kommt, wenn eine Zertifizierung durch Dritte erforderlich ist.

Zugriffsrechte: drei Stufen

Die Studie schlägt öffentlichen Zugang, Zugang nur für Behörden (notifizierte Stellen, Marktüberwachungsbehörden, Zoll und Kommission) und Zugang bei berechtigtem Interesse vor, etwa für Recycler. Kennungen, Produktkategorien, Warencode, Name und Anschrift des Wirtschaftsakteurs, Kennung der Produktionsstätte, Faserzusammensetzung, Komponentenspezifikation und der Robustheitswert werden als öffentlich vorgeschlagen. Kontaktangaben des Wirtschaftsakteurs werden als nur für Behörden vorgeschlagen. Interessenträger teilten der JRC mit, dass Daten zu Fasereigenschaften und Chemikalieneinsatz als vertrauliche Geschäftsinformationen behandelt werden, weil sie Kostenstrukturen offenlegen. Die Faustregel der Studie: Was Verbraucher am Verkaufsort sehen, sollte auf Modellebene liegen, mit Ausnahme besorgniserregender Stoffe.

Was jetzt zu tun ist

  • Prüfen Sie, ob Ihre GTINs auf Modellebene, Ihre Losnummerierung und Ihre Kennungen für Produktionsstätten den vorgeschlagenen Kennungsstack ohne ein neues Codierschema tragen können.
  • Beginnen Sie damit, chemische Daten und Prüfdaten Chargen zuzuordnen, denn dort setzt die Studie die Mindestgranularität an.
  • Behandeln Sie die Datenliste als Richtungsangabe. Der delegierte Rechtsakt setzt das Recht, und die ESPR gewährt nach der Annahme mindestens 18 Monate, bevor die Anforderungen gelten.

Primärquellen: Study on DPP content for textile apparel products under ESPR; JRC Product Bureau, Projektplan zu Textilerzeugnissen.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es bereits einen delegierten Rechtsakt zum Digitalen Produktpass für Textilien?

Nein. Der ESPR-Arbeitsplan 2025 bis 2030 nennt 2027 als indikatives Jahr für den delegierten Rechtsakt für Textilien. Vorhanden sind heute Vorarbeiten: die vorbereitende Studie der JRC zu Textilerzeugnissen, deren Konsultation zum dritten Meilenstein am 30. März 2026 endete, und die am 13. Mai 2026 veröffentlichte JRC-Studie zu den DPP-Inhalten für textile Bekleidungserzeugnisse.

Welche Granularität schlägt die JRC für den Textil-DPP vor?

Die Studie schlägt eine eindeutige Produktkennung auf Stückebene vor, etwa eine serialisierte GTIN, daneben eine Chargenkennung (GTIN plus Losnummer) und eine Modellkennung (GTIN-13), alle konform mit prEN 18219. Die meisten Angaben lägen auf Modell- oder Chargenebene: Faserzusammensetzung und Recyclingfähigkeit auf Modellebene, Produktionsstätte und chemische Eigenschaften auf Chargenebene, wobei stückspezifische Daten nur bei Bedarf ergänzt werden.

Welche Daten des Textil-DPP wären öffentlich?

Die Studie schlägt drei Zugangskategorien vor: öffentlich, nur für Behörden (notifizierte Stellen, Marktüberwachung, Zoll und Kommission) und berechtigtes Interesse. Kennungen, Produktkategorie, Warencode, Name und Anschrift des Wirtschaftsakteurs, Kennung der Produktionsstätte, Faserzusammensetzung und Komponentenspezifikation werden als öffentlich vorgeschlagen. Kontaktangaben des Wirtschaftsakteurs werden als nur für Behörden vorgeschlagen. Öffentliche Informationen am Verkaufsort sollten auf Modellebene liegen, mit Ausnahme besorgniserregender Stoffe.