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2026-09-08

Ökodesign-Konsultation zu Eisen und Stahl beendet: was die JRC für den Stahl-Produktpass vorschlägt

Die Konsultation zu Ökodesign-Anforderungen für Eisen und Stahl endete am 12. August 2026; der delegierte Rechtsakt ist für Q4 2026 vorgesehen. Die JRC-Studie zum DPP-Inhalt schlägt die Schmelzennummer als Kennung, Rezyklatanteil nach ISO 14021 und eine an EU ETS und CBAM ausgerichtete CO2-Fußabdruckmethode vor.

Die erste Produktgruppe, die einen delegierten ESPR-Rechtsakt erhält, ist ein Zwischenprodukt, kein Konsumgut. Die öffentliche Konsultation der Kommission zu Ökodesign-Anforderungen für Eisen- und Stahlerzeugnisse endete am 12. August 2026. Ihre Seite Iron & Steel nennt Q4 2026 als indikativen Zeitplan für die Annahme des delegierten Rechtsakts. Die Konsultationsmitteilung der Kommission umriss den Anwendungsbereich mit Kreislauffähigkeit und Recyclingfähigkeit, kohlenstoffarmem Stahl, Nachhaltigkeitsinformationen und dem damit verbundenen Digitalen Produktpass sowie Dekarbonisierung entlang der Wertschöpfungskette.

Für Stahlhersteller und -importeure liefert die Gemeinsame Forschungsstelle das bislang konkreteste Bild davon, was der DPP enthalten wird. Ihre Study on DPP content for iron and steel products under ESPR, ein JRC Science for Policy Report von Aleksandra Arcipowska, Sara Blanco Pérez und Alejandro Lopez-Olmedo, wurde am 23. März 2026 auf der Seite des Product Bureau eingestellt, zusammen mit der vorbereitenden Studie, der Studie zu besorgniserregenden Stoffen, der Studie zum Rezyklatanteil sowie den Arbeitspaketen zu Ökobilanz und Kostenrechnung. Ein zweites Konsultationstreffen mit Interessenträgern folgte am 13. April 2026. Der Bericht trägt den üblichen JRC-Haftungsausschluss, wonach er nicht zwangsläufig den Standpunkt der Kommission wiedergibt.

Identifikation auf Schmelzenebene

Die zentrale Gestaltungsentscheidung der Studie betrifft die Granularität. Sie empfiehlt die Schmelzennummer als verpflichtende eindeutige Produktkennung auf Chargenebene, weil die Schmelze der früheste Punkt ist, an dem sich ein Erzeugnis einer definierten Menge von Einsatzstoffen und einer Technologieroute zuordnen lässt, und weil die Werksprüfzeugnisse nach EN 10168 bereits auf dieser Ebene berichten. Die Guss- oder Losnummer kann als optionale Chargenkennung ergänzt werden. Die Produktnummer dient als Referenz auf Modellebene. Seriennummern auf Stückebene würden nur für bestimmte Erzeugnisse gelten, etwa Coils, bei denen Kundenspezifikationen sie ohnehin verlangen.

Die dahinterstehende Prüfung der Umsetzungsreife ist beim Thema Kosten deutlich. Die Umsetzung der ESPR-Kennungen auf bestehenden Kennzeichnungspraktiken wurde als vergleichsweise geringer Aufwand bewertet. Die Einführung einer systematischen Rückverfolgbarkeit auf Stückebene in Werken, die auf Chargenebene arbeiten, wurde als deutlich höherer Aufwand bewertet, wobei Rückmeldungen aus der Industrie auf Investitionen von mindestens rund EUR 100 000 je Anlage zuzüglich Betriebskosten verweisen. Die QR-Kennzeichnung physischer Erzeugnisse wurde als mittlerer Aufwand eingestuft. Interessenträger unterstützten die Identifikation auf Schmelzenebene weitgehend als verhältnismäßig und sahen begrenzten Zusatznutzen in einer sektorweiten Umweltrückverfolgbarkeit auf Stückebene.

Umwelt- und Kreislaufdaten

Zwei Erklärungen werden als umweltbezogener Kern des Stahlpasses vorgeschlagen:

  • Rezyklatanteil: Der Vorschlag baut auf ISO 14021 und der bestehenden Industriepraxis auf und erklärt den prozentualen Rezyklatanteil sowie die Aufteilung zwischen Pre-Consumer- und Post-Consumer-Material.
  • Produktbezogener CO2-Fußabdruck: Die im Rahmen der ESPR entwickelte Methodik richtet die Treibhausgasbilanzierung an den Datenrahmen von EU ETS und CBAM aus und soll vollständig interoperabel mit EN 15804 und Umweltproduktdeklarationen sein.

Die Studie weist ausdrücklich darauf hin, dass beide Methodiken in parallelen Arbeitssträngen entwickelt werden und dass die Granularität dieser Erklärungen von der endgültigen Methode abhängt. Bei der ambitionierteren Chain-of-Custody-Option, dem kontrollierten Vermischen, könnte der Rezyklatanteil auf Chargenebene verfolgt werden. Massenbilanzansätze würden die Berichterstattung eher zu Standortdurchschnitten über einen Zeitraum verschieben, einer Zwischenaggregation, die weder Modell noch Charge ist.

Die vorgeschlagene Datenstruktur

Die Übersichtstabelle des Berichts verortet Produktidentifikation und -klassifizierung, Herstelleridentifikation und Ursprung (einschließlich Ursprungsland sowie Melt-and-Pour auf Chargenebene), Materialkonformität und besorgniserregende Stoffe auf Chargenebene und die Umwelterklärungen auf Chargen- oder Modellebene. Klassifizierungsfelder wie ESPR-Kategorie, Stahlsorte und Bezeichnung liegen auf Modellebene. Die Identifikationsdaten werden als öffentlich zugänglich vorgeschlagen. Der Bericht stellt fest, dass es keine breit eingeführte Ontologie für die Daten aus Werksprüfzeugnissen gibt, und bezeichnet dies als zentralen Wegbereiter für einen effizienten Austausch.

Was jetzt zu tun ist

  • Ordnen Sie die heutigen Felder Ihrer Werksprüfzeugnisse (EN 10204 und EN 10168) den vorgeschlagenen DPP-Kategorien zu. Die meisten Identifikations- und technischen Daten sind dort bereits vorhanden.
  • Entscheiden Sie jetzt, ob Ihre Datenflüsse aus ETS und CBAM einen produktbezogenen CO2-Fußabdruck auf Schmelzenebene speisen können, und dokumentieren Sie die Lücken.
  • Verfolgen Sie den Tracker für delegierte Rechtsakte und die Konsultationsseite. Eine Annahme in Q4 2026 würde den frühestmöglichen Geltungsbeginn angesichts des ESPR-Mindestübergangs von 18 Monaten auf 2028 legen.

Primärquellen: Konsultationsmitteilung der Kommission; Seite Iron & Steel der Kommission; JRC Product Bureau, Dokumente zu Eisen und Stahl; Study on DPP content for iron and steel products under ESPR.

Häufig gestellte Fragen

Wann wird der delegierte ESPR-Rechtsakt für Eisen und Stahl angenommen?

Die Seite der Kommission zu Eisen und Stahl nennt Q4 2026 als indikativen Zeitplan für die Annahme des delegierten ESPR-Rechtsakts, der Anforderungen an Eisen- und Stahlerzeugnisse festlegt. Die begleitende öffentliche Konsultation endete am 12. August 2026. Wirtschaftsakteure erhalten danach nach der ESPR einen Übergangszeitraum von mindestens 18 Monaten, bevor die Anforderungen gelten.

Welche Kennung schlägt die JRC für einen Digitalen Produktpass für Stahl vor?

Die JRC-Studie empfiehlt die Schmelzennummer als verpflichtende eindeutige Produktkennung auf Chargenebene, im Einklang mit den Werksprüfzeugnissen nach EN 10168, mit der Guss- oder Losnummer als optionaler zusätzlicher Chargenkennung. Die Identifikation auf Modellebene würde über die Produktnummer erfolgen. Seriennummern auf Stückebene würden nur für bestimmte Erzeugnisse wie Coils gelten, bei denen Kundenspezifikationen sie ohnehin verlangen.

Wie werden Rezyklatanteil und CO2-Fußabdruck für Stahl nach der ESPR erklärt?

Nach der JRC-Studie baut die vorgeschlagene Erklärung zum Rezyklatanteil auf ISO 14021 auf und umfasst den prozentualen Rezyklatanteil sowie die Aufteilung zwischen Pre-Consumer- und Post-Consumer-Material. Die im Rahmen der ESPR entwickelte Methodik für den CO2-Fußabdruck richtet die Treibhausgasbilanzierung an den Datenrahmen von EU ETS und CBAM aus und soll mit EN 15804 und Umweltproduktdeklarationen interoperabel sein. Beide Methodiken werden noch finalisiert.